Nachhaltigkeit in der Berufsausbildung

Die UN rief 2005 die UN-Dekade für Nachhaltige Berufsbildung aus und spätestens damit wurde deutlich, dass Nachhaltigkeit für die Berufsausbildung relevant wird. Gleichzeitig ist Corporate Social Resposibility (CSR) und die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung durch Unternehmen durch die Verabschiedung der EU-Richtlinie zur CSR-Berichterstattung zumindest für große Unternehmen mehr als nur Beiwerk.

Unternehmen bestehen aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und diese werden ausgebildet. Wenn Unternehmen nachhaltig wirtschaften wollen und müssen, dann muss auch die Belegschaft früh mit dem Thema Nachhaltigkeit in Kontakt kommen.Provadis entwickelt Ansätze und Modelle, wie Nachhaltigkeit in die Berufsausbildung integriert werden kann. Dabei versteht Provadis Nachhaltigkeit in seiner sozialen, ökonomischen und ökologischen Dimension gleichermaßen.

ANLIN

Ausgangssituation

Das Weltaktionsprogramm „Bildung für nachhaltige Entwicklung 2015 - 2019“ der UNESCO sowie die stetige Zunahme der Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit für Unternehmen und Kunden bilden den Hintergrund zum Projekt ANLIN. Dabei bezieht sich ANLIN gleichermaßen auf die ökonomische, ökologische und soziale Dimension von Nachhaltigkeit und geht davon aus, dass durch die bestmögliche Umsetzung betriebswirtschaftliche und gesellschaftliche Kosten gespart werden können.

Wichtige Eckpfeiler

  • ANLIN heißt „Ausbildung fördert nachhaltige Lernorte in der Industrie“
  • ANLIN ist inhaltlich gesehen ein Nachfolgeprojekt von CaeSaR, an dem sich Provadis mit der Entwicklung und Erprobung von CSR-Modulen in der Chemielaborantenausbildung beteiligte. Die CaeSaR-Projekte wurden 2014 abgeschlossen.
  • Provadis führt ANLIN in Frankfurt gemeinsam mit Clariant und Sanofi durch. 
  • ANLIN knüpft an die Initiative Chemie3 der chemischen Industrie, den Deutschen Nachhaltigkeitskodex und das Qualitätssiegel Q3SQ an.
  • ANLIN fördert und entwickelt Kompetenzen, die nachhaltiges betriebliches Handeln ermöglichen.
  • ANLIN findet in Kooperation mit dem Qualifizierungsförderwerk Chemie (QFC) Halle, dem Bildungszentrum für Beruf und Wirtschaft (BBW) Wittenberg und dem Institut für nachhaltige Berufsbildung & Management-Services (INB) Hannover statt.
  • ANLIN hat eine Auszeichnung der Deutschen UNESCO-Kommission erhalten


Umsetzung

ANLIN zielt auf alle Lernorte der beruflichen Bildung und bezieht verschiedene Akteure ein. In einem modular aufgebauten Qualifizierungskonzept werden in jeweils zwei bis drei Präsenzmodulen Lehr- und Ausbildungspersonal, sowie Auszubildende für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisiert. Die Ausbildungskräfte sollen weiterhin befähigt werden sich an der Gestaltung des jeweiligen Lernorts zu beteiligen und zum Teil die Qualifizierung der Auszubildenden durchzuführen. Außerdem soll ihre Funktion als Multiplikator gestärkt werden.

Über die Workshops hinaus erwerben die Auszubildenden über begleitende E-Learning-Tools, 5-min-CSR-Talks oder einer Nachhaltigkeitserkundung im Betrieb weiteres Wissen darüber, dass nachhaltiges Denken und Handeln ihren Alltag und sie selbst betrifft. Es sollen gemeinsam Verbesserungsbereiche identifiziert und konkrete Umsetzungsvorschläge erarbeitet werden.

Partner
Durch einen Beirat sind die Sozialpartner ebenso eingebunden wie die Industrie- und Handelskammer. Auf diese Weise kann das Thema Nachhaltigkeit und seine zu erwartende Verankerung in Rahmenplänen für die Ausbildung auch auf der systemischen Ebene diskutiert werden.

                        

Übersicht Gesamtprojekt

Umsetzung in Hessen

         

CAeSaR

 

CSR-Bildungsmodul 1 „Chancengleichheit stärken“
Projektlaufzeit April 2014 bis Dezember 2014

Innerhalb des CSR-Rahmens sind Unternehmen gebeten, die Handlungsfelder Markt, Umwelt, Arbeitsplatz und Gemeinwesen zu beachten. Hier gilt es neben anderen Themen auch für eine Stärkung der Chancengleichheit zu sorgen. Ins besonders erhält dieser Anspruch einen hohen Wert bei der Berufsausbildung.

„Verstärkt in Bildung investieren – Stärkung der Chancengleichheit in der gesamten Gesellschaft“ wurde eine aus mehreren Bildungsmodulen (Lehrbriefe) bestehende Maßnahme in der Ausbildung von Chemielaboranten/ Chemielaborantinnen etabliert um Auszubildende mit kognitiven Defiziten wieder an die kognitiv leistungsstärkeren heranzuführen.

Für die Chancengleichheit als späterer Mitarbeiter/-innen ist es sehr wichtig für die Auszubildenden, dass diejenigen, welche sich mit den zur Zeit üblich angebotenen Unterrichtsmethoden „klassisch“ nicht zurechtfinden, durch eine neuartige Ausbildungsmethodik eigen-motiviert und selbstgesteuert fehlende Inhalte nachholen und bekannte Inhalte festigen können. Untermauert wird dieser Verhalt durch spezifische Tutoring Maßnahmen von kognitiv stärkeren Auszubildenden eines höheren Jahrgangs um auf das Lernmanagement der betroffenen Auszubildenden aktiv mitzuwirken.

CSR-Bildungsmodul 2 „Sozial und ökologisch verantwortungsbewusste Produktion“
Projektlaufzeit April 2014 bis Dezember 2014

Im Rahmen der Unternehmensverantwortung in der globalisierten Welt unter transparenten Marktentwicklungen wird die ganzheitliche CSR-Thematik bei einem Ausbildungsjahrgang Chemielaboranten/ Chemielaborantinnen im Rahmen eines 2-tägigen Seminars bearbeitet.

Ziel ist es, das die Auszubildenden die komplexe CSR-Thematik verstehen, nachvollziehen und nachhaltig anwenden können. Während des Seminars werden neben Vorträgen auch Kurzworkshops, Gruppenarbeiten und Rollenspiele eingesetzt.

 

 

Die Auszubildenden lernen, was gesellschaftliche Unternehmensverantwortung (CSR) bedeutet  und warum es immer mehr an Bedeutung zunimmt. Sie erfahren was CSR überhaupt ist, was es umfasst und wie es in der Praxis umgesetzt wird.

Innerhalb von Abschnitt erleben sie selbst, wie „ihr“ Unternehmen CSR, am Schwerpunktthema Energieeffizienz, anwendet und was sie dazu beitragen können.

 

Fachforum Nachhaltige Lernorte

Fachforum "Nachhaltige Gestaltung von Lernorten der beruflichen Bildung"

Provadis-Fachforum thematisiert die Bedeutung der Ausbildung für die nachhaltige Entwicklung in Deutschland

Unsere Welt verändert sich so rasch wie noch nie. Um weiterhin erfolgreich zu sein, müssen Unternehmen ihre Mitarbeiter zu zukunftsfähigem Denken und Handeln befähigen. Doch wie lassen sich Mitarbeiter, Auszubildende und Ausbilder im Bereich Nachhaltigkeit qualifizieren? Diese Frage stand im Fokus des Fachforums „Mit Qualifizierung zum nachhaltigen Unternehmen“ am 2. November in Wiesbaden. Der Veranstalter Provadis Partner für Bildung und Beratung GmbH konnte Experten aus Politik, Wissenschaft und Industrie gewinnen, die ihre Sichtweisen und Erfahrungen teilten.

Nachhaltigkeit wichtig zur Fachkräftesicherung
Warum ist das Thema Nachhaltigkeit von so großer Bedeutung für Unternehmen? Darüber sprach Dr. Werner Sievers, Leiter Wirkstoffproduktion Chemie am Standort Frankfurt bei Sanofi Aventis Deutschland. Der unternehmerische Erfolg hänge auch von der Übernahme gesellschaftlicher und ökologischer Verantwortung ab. Für Arbeitnehmer würden diese Themen immer wichtiger. Daher spiele Nachhaltigkeit unter anderem bei der Fachkräftesicherung eine Rolle.

„Bildung für nachhaltige Entwicklung ermöglicht es jedem und jeder Einzelnen, die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Genau deshalb wurde in diesem Jahr der Nationale Aktionsplan „Bildung zu nachhaltiger Entwicklung“ (BNE) verabschiedet. Damit die Umsetzung in der Schule auch gelingt, stellen wir allen Schulformen Beratungsangebote für die Erarbeitung und Umsetzung pädagogischer Konzepte zur Verfügung und unterstützen sie bei den verschiedenen Aspekten der Nachhaltigkeit im Rahmen der Schulentwicklung“, erklärte der Staatssekretär im Hessischen Kultusministerium, Dr. Manuel Lösel.

Aber auch in der beruflichen Bildung sei das Thema essentiell, betonte Barbara Hemkes, Leiterin des Arbeitsbereichs Qualität, Nachhaltigkeit, Durchlässigkeit, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Hier liege die Herausforderung darin, die Betriebe und Unternehmen zu nachhaltigen Lernorten zu machen. Das durch das BIBB aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung geförderte Projekt ANLIN der Partner Provadis, BBW Wittenberg, Qualifizierungsförderwerk Chemie und dem Institut für nachhaltige Berufsbildung und Management-Services sei hierfür ein sehr wichtiger und erfolgversprechender Schritt.

Mitarbeiter müssen dahinter stehen
Ist es notwendig, alle Mitarbeiter in zukunftsfähigem Denken und Handeln zu qualifizieren? Ja, sagte Christine Pehl, Business Coach für werteorientierte Unternehmensführung. Es reiche nicht aus, Nachhaltigkeit nur in den Leitlinien und Regeln zu verankern. Nur wenn alle Mitarbeiter dahinter stünden, sei es möglich, diese dauerhaft zu leben.

Wichtiges Modellprojekt in der Ausbildung
Für den Bildungsdienstleister Provadis spielt Nachhaltigkeit in der Aus- und Weiterbildung bereits seit einiger Zeit eine wichtige Rolle. „Bei unseren Kunden gewinnt das Thema zunehmend an Bedeutung. Aus diesem Grund sind wir nicht nur als nachhaltiges Unternehmen zertifiziert, sondern haben zukunftsfähiges Denken und Handeln auch inhaltlich in unsere Aus- und Weiterbildung integriert“, betonte Provadis-Geschäftsführer Dr. Udo Lemke.

Eines dieser Modellprojekte aus dem Bereich Ausbildung, ANLIN (Ausbildung fördert nachhaltige Lernorte in der Industrie), stellten Marny Schröder, Projektleiterin für Bildungs- & Forschungsprojekte bei Provadis, und Franziska Massa, Projektreferentin, Qualifizierungsförderwerk Chemie, vor. „Unsere Erfahrungen mit dem ersten Ausbildungsjahrgang, der das Projekt bereits durchlaufen hat, zeigen, dass wir ein Konzept entwickelt haben, mit dem wir die Auszubildenden sehr gut erreichen und mitnehmen können“, so Schröder.

Auch Dr. Andreas Ogrinz, Geschäftsführer Bildung, Innovation, Nachhaltigkeit, Bundesarbeitgeberverband Chemie e.V., lobte das Projekt als wichtigen Teil von Chemie3, der Nachhaltigkeitsinitiative der Chemischen Industrie. Beim Thema Nachhaltigkeit sei der Mensch ganz entscheidend. Hier leiste ANLIN einen sehr wertvollen Beitrag, die zukünftigen Mitarbeiter hierfür zu gewinnen.

 

 

 

Bildungsreport

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